Der Sommer am Main
Zweites Kapitel
Der Sommer am Main
Im Sommer 1956 hat mein Vater mir im Main das Schwimmen beigebracht. Er stand bis zur Hüfte im Wasser und hielt mich unter den Armen, und ich habe so gelacht, dass ich Wasser geschluckt habe. Über uns lag der Kirchturm, und auf der anderen Seite des Flusses wuchs der Wein.
Wie alt ich genau war, weiß ich nicht mehr. Sieben vielleicht. Aber ich weiß noch, dass meine Mutter am Ufer saß, mit dem Handtuch auf dem Schoß, und sagte: „Jetzt lass sie mal los, Heinz.“
Er hat mich nicht losgelassen, nicht an diesem Tag. Man dürfe dem Main nicht trauen, hat er gesagt, auch wenn er noch so ruhig aussieht. Das hat er oft gesagt, auch später noch, als ich längst allein hinüberschwimmen konnte.
Nach dem Baden gingen wir den Weg hinter den Gärten zurück. Meine Füße waren voller Sand, und ich durfte die Schuhe in der Hand tragen. Zu Hause gab es Brot mit Butter und Zucker, und das Handtuch hing am nächsten Morgen noch über dem Zaun.
Richtig schwimmen konnte ich erst im Jahr darauf. Da war mein Vater auf Montage, und ich wollte es ihm zeigen, wenn er wiederkommt. Er stand am Ufer, die Tasche noch in der Hand, und hat nur genickt. Mehr brauchte es nicht.
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